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Verdammte am Höllenschlund
Christliches Motiv auf einer "Kabinettscheibe"

 

             
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Vom Neustädtischen Markt in Brandenburg an der Havel stammt ein außergewöhnliches Fundstück: das nur etwa 5 x 4 cm große Fragment einer sog. Kabinettscheibe aus Glas. Es zeigt eine Höllenszene, ein eindrucksvolles Motiv aus der christlichen Glaubenswelt. In einen drachenkopfartigen "Höllenschlund" fahren Menschen bzw. deren Seelen ein. Zwei kleine Teufel im Schlund und unterhalb der Schnauze des Höllentieres zerren sie hinein.
Die dunkle Färbung der Teufel erzielte der Künstler, indem er sie mit blauer Emailfarbe hinterlegte. Ebenfalls dunkel hervorgehoben ist der Qualm über dem Höllenschlund; aus Mund, Nase und Augen des Tieres schlagen rote Flammen. Die gesamte Szene wirkt lebendig und dramatisch, sehr realistisch tritt einem die Angst der Menschen entgegen.
Das Scheibenfragment gehörte wohl zu einer Darstellung des Jüngsten Gerichts und datiert nach Stil, Motiv und Fundkontext am ehesten in die erste Hälfte des 16. Jh. - möglicherweise noch in vorreformatorische Zeit. Bemalte Kabinettscheiben dekorierten seit dem späten 14. Jh. Fenster an Profanbauten und bürgerlichen Wohnhäusern. Ihre größte Verbreitung erlangten sie aber erst im 16./17. Jh.
Aus dieser Zeit sind vor allem aus dem Hanseraum zahlreiche Parallelen mit weltlichen und sakralen Szenen bekannt. Ob die Brandenburger Scheibe einst das Neustädtische Rathaus zierte oder den Andachtsraum im Haus einer reichen Bürgerfamilie wird sich nicht mehr feststellen lassen. Sie kündet aber von der prächtigen Ausstattung eines Fensters im Zentrum der Neustadt Brandenburg und zugleich von der tiefen Religiosität der Menschen am Anbruch der Neuzeit.


Felix Biermann, Katrin Frey

 
© Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum